Rainers Horen
Sonntag, den 27.03.2011 [22:36]
Regenerierung von Mittelmäßigkiet – ist ein Thema, das sich nicht am sonnenlichtdurchfluteten Wochenende abspielt. Das ist Stoff für gequälte Gespräche in Raumen, die sich in Glasstahlbetonprachtbauten – belegt mit freundlichanthrazitnen Fußbodenauslegeware – stattfinden.



Das war jetzt also die Beschreibung der Kampfarena. Im Ring sind dann zwei Parteien: der Einkäufer und das Produkt. Das Produkt ist Zeit seines Berufslebens auf diese Rolle sozialisiert,hat diverse Ratgeberbücher gelesen, ist von der Angst auf sozialen Abstieg besessen und harrt nun der auf ihn zukommenden Dinge. Der potentielle Arbeitnehmer hat längst verinnerlicht, dass er (gemäß der Transaktionstheorie) voll das Kinds-Ich spielen oder – – besser noch – einnehmen muss. Gewöhnlicherweise sind für ihn diese Ereignisse größtensteil singulär und sind für ihn ein großen Abenteuer, da heiß ein Vorgang mit ungewissem Ausgang. Er wird also von einem gewissen Perfektiinismus getrieben. Scheitert er in der Probezeit, dann hat er einen weiteren Makel (weiland Kaderrucksack) an sich, der in einem weiteren Gespräch (=Verhör) zusätzliche Erschwernis ist.



Auf der anderen Seite des nichtrunden Tisches sitzt der einkaufende Personaler (weiland Kaderleiter), den auch eine Angst und Ungewissheit rumtreibt. Zum einen ist auch dieser Tag für ihn ein ganz normaler Angestelltentag und er träumt schon wieder von Feierabend, Wochenenede, Urlaub und Rente. Also will er sich nicht unnötig aufregen und die Sache möglichst energiesparend hinter sich bringen. Er weiß natürlich, dass fast soviel wie im Internet gelogen wird und versucht trotz aller innerer Trägheit die Spreu vom Weizen zu trennen. Eines weiß er genau: der Markt ist voller Jobnomaden, aslo voller Leute, die entweder völlig unfähig oder unmöglich in der Handhabung sind. Er muss also aus einer Kiste vergammelter Äpfel den noch Ansehnlichsten auswäheln. Doch halt! ganz so schlecht ist die Welt nicht. es soll ja Mitarbeiter geben, die tatsächlich unschuldig ihren Job verlieren und nun kurzzeitig dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Jeder Brewerber versucht, genau dieses Bild zu zeichnen – verständlich. Versagt der Personaleinkäufer, dann wird das System versuchen. sich mit der Sache zu arrangieren. Immhin steckt ja eine Entscheidung dahinter und damit auch ein möglicher Gesichtsverlust. Wer schon länger als Angestellter in größeren Systemen gearbeitet hat, weiß wovon ich spreche. Ein Haufen voller sich selbst verwirklichender Individualisten macht einen auf teamfähig. Hedwig Kellner hat das vor Jahren schon einmal sehr nett in ihrem Sachbuch ¬Die Teamlüge analysiert, angeprangert und der Lächerlichkeit preisgegeben.



Dieses System, bei dem immer Hans Hänschen als Mitarbeiter einstellt, scheitert aus begreiflichen Gründen, wenn in solchen Vorbereitungsgesprächen ein Erwachsenen-Ich auf ein Eltern-Ich stößt. Da wird aneinander vorbeigeredet.



Komisch, vor einen Jahren kamm das mit den Softskills auf. Das ist erstmal löblich. Ein Mensch wird auch nach seinen menschlichen Faktoren gemessen. Aber wie schon Schulz von Thun bemerkte, führt jede Übertreibung von guten von Tendenzen zu deren Verkehrung. Wir leisten nichts, aber wir haben uns alle lieb. Es ist Paradox: es gibt solche und solche Gründe, einen Mitarbeiter wieder zu entsorgen. Wenn der Knecht einfach nicht die geforderte Leistung bringt, dann ist es am schwersten. Dann muss der Arbeitgeber nachweisen, das der in Lohn stehende mehr leisten könnte. Das ist kaum justitiabel zu schaffen. Dann ist es umso verwunderlicher, warum Personaler auf diese fachliche Qualität nicht achten. Klar – kann er ja auch nicht. – er kann sich bestenfalls von Schlagwörtern blenden lassen.
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Freitag, den 25.03.2011 [22:15]
„Wir haben doch schon die Domain gekauft." - das ist ein häufiger Einwand, wenn es darum geht ein Projekt im oberen vierstelligen Budgetbereich vom Stapel zu lassen. Das ist so als ob man den Klempner bestellt und ihn dann an der Tür mit dem Hinweis auf das bereits eingekaufte Baumarktwerkzeug empfängt (muss das jetzt nicht billiger werden …).



Was im „realen Leben“ offensichtlich absurd erscheint, ist im Internetgeschäft leider bittere, tägliche Realität. Warum kann man nun eine unternehmenskritische Webanwendung beispielsweise nicht auf einem Webhostingpaket von 1und1 laufen lassen? Erstmal heißt Webhosting, dass man keinen Server mietet, sondern nur ein Fach auf einem Server. Auf solchen Servern gibt es dann viele Fächer. Damit sich die Fächer nicht ins Gehege kommen, sind viele Einschränkungen der Leistung nötig. Dazu gehört Speicherbedarf, Anzahl und Laufzeit der Webprozesse. Gerade bei 1und1 ist diese Gummizelle sehr eng. Schon bei mehr als 12 Prozessen wird jeder weitere Zugriff abgewiesen. Da auf solche Angeboten lediglich ein Dateitranferzugriff (FTP) erlaubt ist, gestaltet sich Installation oder gar Fehlersuche zu einem Vabanquespiel. Der zeitliche Aufwand auch nur für kleinste Aufgaben ist nicht kalkulierbar. Um einmal weiter in der metaphorischen Bildersprache zu bleiben ist das so, also ob man ein Auto durch das Verbot des Motorraumöffnens durch das Amaturenbrett (quasi mikroinvasiv) reparieren sollte.



All diese Widrigkeiten ließen sich durch Pfiffigkeit bewältigen. Einige andere Fußfallen sind unüberwindbar. So ist mod_gzip bei 1und1 nicht aktiviert. Damit kann man für Textdateien den Netzverkehr drastisch reduzieren. Bei iPhone-Apps ist das schon ein K.O.-Kriterium … 

Das schlimmst Dilemma auf solchen Maschinen sind die dort laufenden Softwareversionen. So läuft bei 1und1 eine uralte PHP-Version, für die es schon lange keine Sicherheitsupdates mehr gibt. Webanwendungen, die dort laufen, sind prinzipiell offen, das heißt bei Einsatz der nötigen Energie kann jeder böser Bube dieser Welt dort alle Daten lesen bzw, auch Daten verändern. Will das jemand? Es will keiner wissen.



Was klar sein sollte: solche Webanbieter sind weder faul oder dumm – die dürfen keine moderne, sichere Software aufspielen. Auf solchen Massenserver läuft eben nicht nur Software, sondern auch Sonnenscheinprogramme, die vertragen kein Update, weil die gerade so laufen. Nach erfolgter Modernisierung würden die Telefone heißlaufen, weil irgendwelche uralten Gästebuchscripte (Mattsches Scriptarchiv) sofort scheitern würden. Das geht gar nicht. Und so geht der Wahnsinn immer weiter und immer wieder werden Autos aus Pappmasché und Häuser aus Plastiklogosteinen errichtet.
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Mittwoch, den 23.03.2011 [16:10]
Damals im alten Jerusalem kam einmal ein junger, reicher Mann zu Jesus. Wir kennen alle diese Geschichte, bei der der Frager nach Kopfwaschung wieder deprimiert wegtrotten musste. Es scheint die Grundlage des christlichen Glaubens zu sein, dass sich eine Zufriedenheit (Shalom) nie einstellt – das ist systembedingt. Durch die Ursünde ist das nun mal so. Dieser Gedanke ist übrigens auch ein Kritikpunkt aufgeklärter Juden an „unserer“ Religion. „Da komme ich in eine (christliche) Kirche. Und was sehe ich da? Überall Bilder von leidenden Menschen.“ Es scheint so, als ob uns die Kirche in eine gewisse Zwangsgrübelei treiben will. Kirchenamseln sehen das selbstverständlich ganz anders: da gibt es die Botschaft des auferstandenen Heilands usw.

Warum erzähle ich das alles? Im bionadebourgoisen Winterhude fand sich heute morgen nebige Anzeigetafel. Klar: Sojamilchkaffee ist im Angebot. Das ist schon ziemlich achtsam gegenüber der Natur. Aber für die ganz ängstlichen gibt es die Sojamilch auch noch in Bioqualität. Offenbar gibt es dort einen Markt für Biosojamilchkafee. Mehr geht nun wirklich für 3,40 € nicht!

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Dienstag, den 22.03.2011 [09:04]
Es gibt wesentlich erfreulichere Dinge als leidige, zielverwirrende Personalangelegenheiten – nämlich das Knobeln an neuen Lösungen für das Problem der Auswahl von Pinnökeln für eine Maps-Anwendnung. Folgender, erster Ansatz klappt zwar, ist aber etwas suboptimal. Besser wäre natürlich eine Kategorisierung der Bildchen und dann eine Darbietung in Tabulatoren:




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Montag, den 21.03.2011 [07:54]
„Kein Togo“ – so steht es gleich am Eingang kreidefarben (aus Freude am Leben) auf dem Aufsteller im Café am Planschbecken.



Vor Jahren noch hätte die Bemerkung, die offenbar Bewohner der ehemaligen deutschen Kolonie vom Besuch des Cafés aussperrt, keine Verwunderung hervorgerufen. Nun ist es normal und hat sogar einen Bedeutungswandel erfahren.

Heute ist der Tag, an dem auf der ganzen Welt Tag und Nacht jeweils gleich lang sind. In Togo steht die Sonne senkrecht und wirft keinen Schatten – in sichtbar Hamburg schon. Trotzdem ist das heute nicht nur wegen des Wetters ein wundervoller Tag. für viele Libyaner (?) ist heute wahrscheinlich kein schöner Tag. Ist es zu verdenken? Da wird ein schönes Land bombardiert und so köntte doch (mal ganz theoretisch) ein Grund gegeben sein, dass der „schönste Herrscher aller Zeiten“ sein in Deutschland und anderswo aufgekauftes Waffenarsenal so Richtung Italien oder Frankreich wirft. Die Reichweite sollte genügen.



Es bleibt spannend.

Überhaupt leben wir in einer aufregenden Zeit voller Gegensätze. Eben noch am Hafen und mit Fragen gepeinigt, warum man wohl vor 32 Jahren nun gerade Ingenieur studieren wollten und plötzlich kommt die Frage nach Galão oder Latte. Das ist doch eine Frage, die mit dem hier und jetzt zu tun hat. Wen interessieren biografische Seitenschleifen vor 20 Jahren?

Hamburg kann ein wenig wie „Mon oncle“ von Jack Tati sein. Eben noch im hypermodernen Ambiente und dann doch wieder in der Gemütlichkeit von Pauli.



Haben diese „Sessel“ nicht etwas Bedrohliches an sich? Sie strahlen nun wirklich keine Gemütlichkeit aus. Es sind diese Designersessel, die ¬Bernd das Brot so vortrefflich in der Kika-Lounge anprangert.



Nur fünf Minuten Radweg liegen zwischen diesen so gegensätzlichen Welten. Und nun ist es auch klar, warum wir Freelancer immer grbraucht sein werden. Dafür sorft schon das Filter bei Einstellungsgesprächen.
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