Rainers Horen
Dienstag, den 31.05.2011 [17:59]
Der Tag ist durchaus verregnet. Selbst der Galãostrich in der Schanze erscheint triest und müde. Daran können auch die Sonneschirme wenig ändern.



Die Welt wird nicht besser oder schlechter, nur weil wir jetzt online sind. Die Menschen ändert sich im Durchschnitt nicht, wenngleich es zuweilen Einzelindividuen tatsächlich gelingt sich zu entlasten. Das Netz bringt zweifellos zusammen. Und zwar niedrigschwellig. Nehmen wir XING. Das ist nicht nur ein Treffpunkt von Menschen mit beratenden oder gestaltenden Absichten, auch Menschen in seelischen Schieflagen werden von allen Seiten Heilsangebote vielfältigster Art offeriert. Es sind ähnliche Angebote, die es auch für Hunde gibt. Insofern gibt es wenig Unterschiede. Solche Portale sind auch Startpunkt von Ungeniertheiten. Da die soziale Kontrolle gedämpft ist, ergeben sich durchaus neue Möglichkeiten.



Nehmen wir ein Beispiel aus dem Leben: da ist ein Auftrag zu vergeben. Der Auftragnehmer liegt eigentlich schon fest, aber der Vermittler will nachweisen, dass die Auswahl nach sachlichen Kriterien erfolgt oder man braucht noch (kostenlose) konzeptionelle Ideen. Eine Suche im System fördert potentielle Kandidaten zu Tage, denen man dann am Telefon die Hölle heiß macht, auf die Notwendig des Ideenspendens hinweist und auch nicht versäumt zu erwähnen, dass nicht der Billigste genommen wird. Damit machen diejenigen garantiert Angebote, die über dem Angepeilten liegen.



In der analogen Welt gäbe es für solch ein Verfahren eine gewisse Hemmschwelle. Es würde sich schnell rumsprechen. Letztlich müssen das die Täter mit ihrem Gewissen ausmachen, so wie das auch der Dieb des gelben Fahrrades machen muss, er hat jetzt das Rad mit dem schlechten Karma, das Rad, dem schon dreimal die Reifen zerstochen wurden und die Ermittlungen wegen Sachbeschädigung und Ehrabschneidung vom zuständigen (wem sonst?) Staatsanwalt eingestellt wurden.

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Montag, den 30.05.2011 [16:07]
Nach einigen Wochen, die ganz der mobilen Entwicklung gewidmet waren, sind wir wieder in der Webhölle angekommen. Auslöser dafür ist der Wunsch einer nicht genannt sein wollenden Dame Newstickermeldungen aus ihrer TYPO3-Webs auch im zeitnah und ohne Zusatzpflegeaufwand auch auf dem Fratzenbuch erscheinen zu lassen. Es ist also das altbekannte Thema der Datensynchronisierung und es gibt zwei Möglichkeiten: blasen und saugen.

Der erste Versuch startete vor vielen Wochen mit Blasen. Es gibt tatsächlich in TYPO3 eine Extension, die neu erstellte Meldungen selbstständig auf die konfigurierte Pinnwand schreibt.

Das Fratzenbuch verwendet (so wie auch Twitter und andere Netzgemeinden) das Protokoll ¬OAuth. Wenn ich jemanden erlaube, auf meine Daten lesend oder gar schreibend zuzugreifen, dann müsste ich ihm Login und Passwort geben. Allerdings hätte der dann den Generalschlüssel in der Hand. Dabei soll der Gast vielleicht nur die Namen meiner Freunde sehen dürfen. ier schlägt OAuth zu. Jetzt kann ich jede Aktion auf jede Teilmenge genau steuern – und das auch zeitlich befristet.

Die erwähnte Extension ¬News to Facebook Integration gibt vor, genau dieses Protokoll abzubilden – tut es leider nicht wirklich. Da nun wirklich einmal einzusteigen, würde wohl das Budget sprengen und so gibt es noch die Alternative Saugen. Das Newssystem von TYPO3 verfügt nicht nur über diese allbekannte Webansicht, sondern hat auch einen reinen Textausgang. Nerds nennen das RSS-Feed. Damit können schmucklos Daten zwischen Webs ausgetauscht werden. Wenn man jetzt dem Fratzenbuch sagt: „hole Dir die Daten von diesen Feed“, dann sollte es klappen. Das ist anscheinend viel einfacher, weil nun die Autorisierung entfällt – immerhin ist der ¬Feed öffentlich und von der ganzen Welt lesbar. Erwartungsgemäß klappt ¬Graffiti nicht. Schon deshalb, weil die Webs keine gültigen Feed ausspuckt. Nun kommt die erschrischende Tätigkeit des Stocherns im TSOB und (wenn das keine Erhellung bringt) des Datengurgelns. Das sind die Mühen unserer Ebene.

Wenn nun nach Eintragung verschiedener Seitennummern der [[ Sender funzt, dann muss das auch noch ordnungsgemäß von der Graffiti-Software gelesen werden. In der Vorschau klappt das schon – aber leider nicht auf der eigentlichen Fanseite. Es könnte am Feed-Format liegen. Es gibt nämlich Atom, RSS und RDF – und das noch in verschiedenen Versionen. Gut, könnte ich mal von RSS20 auf RDF ändern. Leider dauert das nun wieder 30 Minuten bis es wirksam ist. Wer bezahlt das nur? Das bezahlen die gleichen Leute, die auch Geld für astrologische Beratung oder Lichtarbeit ausgeben.

Von alledem wusste der Mann aus Trier mit dem Rauschebart noch nichts. Sahra ahnt es. Es werden keine Probleme (Hunger …) mehr gelöst, sondern schöne Probleme geschaffen, die dann elegant gelöst werden. Gestern war Hundefest auf dem Heiligengeistfeld. Ein Außenstehner ahnt nicht, was hier für Probleme geschaffen und auch gelöst werden. Selbstverständlich gibt es Biokost, Hundekommunikation („wo fehlt es Dir denn mein Süßer?“), Allergien, Problemlösungen für behinderte Vier- und Dreibeiner, Reiki usw. Der Fantasie sind ist kein Joch auf die Schulter gelegt. Und auch kein Mühlrad an den Hals gehängt.
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