Rainers Horen
Dienstag, den 07.06.2011 [19:36]
Dem weimarischen Marketingdruck kann sich niemand entziehen und so begleitet nun ein Ginkgo „Salve“ die tägliche Arbeit.



Mal sehen, ob er das hält, was er verspricht. Ginkgo ist eine Kalthauspflanze und deswegen für Wohnungshatung nicht wirklich geeignet. Im Winter müsste der Topf in die Orangierie oder Wintergarten. Leider gehört das nicht zum üblichen Lebensumfeld. Also muss das Ding zumindest geschützt auf den Balkon.

In Weimar ist einfach alles Kultur, selbst traurige Tiefgaragen bekommen eine Tatsch von Hochkultur. In der alten Zeit war der Hauptaugenmwerk auf die politisch unschuldigen Herren aus der Herzogszeit, mittlerweile wird auch Nietzsche und besondern gerne die Protagonisten des 20. Jahrhunderts vermarktet.



Wenn jetzt noch die Gänsefüßchen typografisch richtig wären …

Die Gurkengrippe, wie sie föjotonistisch liebevoll genannt wird, bleibt ein Rätsel. Auch die Sprossen aus Bienenbüttel waren nur so eine Idee. Hypothesen gehen auch in Richtung Muttertag. Immerhin sind überwiegend Muttis betroffen. Dann war noch der Hafengeburtstag im Fokus und seit heute ist die altehrwürdige Elbe im Gerede. Nach dem schwarz-gelben Ausstieg aus der Atomenergie – nun der Ausstieg aus dem Ökogemüse?
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Montag, den 06.06.2011 [13:15]
Grund für die Darmaufregung (besonders bei Frauen) waren nicht die spanischen Gurken – überhaupt ist das Ausland vorerst unschuldig. Gestern sind Keimekeime als Täter identifiziert worden. Keime sind heranwachsendes , nach Selbigem schreiendes Leben, das sind Embryos oder fast schon Babys. Es soll eine Essglaubensgemeinschaft geben, die tatsächlich das Verzehren nichtgeschlechtsreifer Individuen anprangert und auf das Essen von Schnittlauch, Eiern, Sprossen, Spanferkeln und Kalbsnierenbraten lebenslang verzichtet. Motto: „Das schreit nach Leben!“


Bisher sind wohl ungefähr zwanzig Menschen gestorben. Hätten wir weder unsere Medizintechnik noch unsere Medien, dann würden wir nicht mitbekommen, dass nun plötzlich zwanzig Menschen mehr gestorben sind. Nun ist das Mem nun mal in die Welt gesetzt und in Zukunft werden wir noch weitere Wahrheiten über den Schlamassel erfahren

Der Osten Deutschlands: es ist immer wieder schön dieses Land im Aufbruch zu sehen. Im „Land der Frühaufsteher“ entsteht ein ganz fataler Eindruck: die Anhaltiner scheinen alle kahlgeschoren zu sein und in Autos zu sitzen, die mit solch markig-trotzigen Sprüchen wie Kann Schalldruck Sünde sein? verziert sind. Warum sich diese Masse als Frühaufsteher apostrophiert, bleibt unklar. Ist wohl eine nette Marketingidee. In Thüringen (auf Suche nach einen freien Netz) stößt die Frage nach WLAN auf völliges Unverständnis und erinnert an die Szene im Murmeltiertagfilm, in der der mürrische Großstadtreporter in Punxsutawney bei der Frage nach einem Milchkaffee auf eben diese Begriffsstutzigkeit stößt.



Aber es gibt Lichtblicke: wie berichtet soll es Nachbarn geben, die schon ganz modern im QVC-Kanal schicke Blusen kaufen. Ist das nicht schon das Format, bei dem schon die Satire über diesen Fernsehkanal albern und altbacken erscheint?

Überhaupt die modernen Medien und der Weg dahin. Wie allgemein bekannt hat die Telekom (weiland Graue Post) den höchsten Preis, aber auch die schlechteste Qualität. Um dennoch am Markt zu bestehen, muss sie also ein erfreulich aggressives Marketing betreiben. So erlebt in Weimar. Aber alles nach und nach. Am 5. Mai wurde beim neuen Anbieter ein neuer Vertrag über 14,95 € (statt für 34.95 €) abgeschlossen. Soweit so gut. Zweit Tage nach dieser frevelhaften Tat rief eine Callcentertante und machte dem Wechselwilligen die Hölle heiß. Achtung: Sie verlassen das glasklare Beamtennetz, sie werden nicht mehr telefonieren können usw. Gerne wäre ich Mäuschen gewesen, aber leider gibt es kein Gesprächsprotokoll. Jedenfalls kam nach zwei Tagen ein Brief rein, der die Kündigung bedauert und bestätigt und die Nummernmitnahme in Rechnung stellte. Das klingt zielführend. Aber nun: nach weiteren zwei Tagen bedankt sich ein weiterer Brief persönlich beim dann doch beim zurückgekehrten Schaf in der Herde der glücklichen Telekomkunden. „So können Sie weiterhin die hervorragende Qualität …“. Ach, da kommt noch ein Satz: bitte füllen Sie beiliegende Willlenserklärung aus und retournieren Sie rasch („Damit bestätigen Sie Ihren Entschluss“). Das ist besser – steht da. Der ganze Text ist so angelegt, dass sich die rechtsverbindliche Bedeutung erst beim dreimaligen Durchlesen erschließt. Oberflächlich gelesen ist der Brief nur ein Dankeschön und nimmt eine Entscheidung vorweg. Diese ganze Prozedur führt natürlich zur Verzögerung des Ausrollens, so dass die Hardware nicht rechtzeitig parat war und die „Installation“ des Rechners in einem Straßencafé mit WLAN vollzogen werden musste. Und das ist nicht leicht in der Beamtenstadt zu finden. Überhaupt ist die demütige Installation des brandneuen Betriebssystems eine eigene Nöhlerei wert – oder eben auch nicht. Das Gute: der Qualitätsanspruch an Software ist Dank der Männer und Frauen aus Redmont ins Bodenlose gesunken.



In Weimar ist alles Kultur. In der alten Zeit war nur Goethe und Schiller der Touristenmagnet. Mittlerweile ist die Schar der Prominenten beständig erweitert worden. Es gibt eben auch die ¬Feininger-Route, die südlich der Stadt und auch woanders durch Hain und Flur führt.

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