
Das Hühner-KZ erinnerte an das ebenfalls gestrigen Erlebnis in der Speicherstadt. Dort wird händeringend ein mobiler Entwickler gesucht. So wirklich ja nicht – aber den Tag mit solchen Gesprächen ausklingen lassen – könnte sinnstiftend sein. Also Fahrstuhl hoch und rein ins Vergnügen. Normalerweise sitzt dann eine Vozida (Vorzimmerdame= Teamassistentin) und fragt nach dem Begehr. Dann wird man durch anmutige Bürolandschaften geführt und landet in einem Konfi. Dort nicht. Begann begann direkt neben dem Fahrstuhlschacht ein Raum, der die Anmutung eines Klassenzimmers hatte und in dem ungefähr zwanzig Leute in Reih' und Glied vor ihren Windowskisten saßen. Es erinnerte an das Ambiente in der NASA - Kennedy Space Center in Cap canaveral. Da sitzen sie und arbeiten an einer ganz großen Sache. Vom Gefühl her fühlt es ich mehr wieder der Besuch in der JVA Billwerder an: hier will man keine Sekunde bleiben, die ganze Situation ist extrem unfengschuisiert. Erster Gedanke: da will ich sofort raus! Und: ein wenig Mitleid kommt auf.

Schon die Technik ist unklar – und das ist wohl gewollt. Nämlich: das ist nicht gepinselt, gestempelt oder gesprüht. Das sieht aus, als ob ein Farbbeutel geplatz ist und nun die Sauerei ausläuft bis es eben alle ist. Das ist hier nicht so.

Die Kleckerspur beginnt und endet an Haustüren oder Bordsteinkanten. Da muss jemand den Daumen vors Loch gehalten haben – oder?

Das ist das Kunstwerk, weil wir darüber nachdenken. Oder es ist ein Kunstwerk weil sich die Unmöglichkeit der missschicklichen Zufälligkeit aufdrängt?

