Rainers Horen
Sonnabend, den 03.12.2011 [18:05]
¬????? ????? ?????? ??????? ?????? … Tja, im östlichen Riesenreich tut sich morgen Großes. Der Obertschetlan hat bis zum kleinsten Bürgermeister die Weisung ausgegeben, dass mindesten 60% der 110 Mio. Russen ihn wählen sollen und noch mehr russische Bürger haben sicher schon resigniert und geben der morgigen Wahl keinen Sinn. Sind die Menschen nicht bemerkenswert? Da haben sie schon einmal eine lupenreine Demokratie erkämpft und nun wird Russland bis zur biologischen Lösung wieder vom neuen ¬Zaren regiert. Gerade die eben verlinkte Rede vor dem Bundestag zeigt es deutlich: der gemeine Deutsche ist arglos – oder kommt sehr diplomatisch daher. Wer neben einer russsischen Militärkommandantur seine Kindheit verbracht hat, der ahnt die Zusammenhänge.
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Donnerstag, den 01.12.2011 [23:56]
Das waren natürlich gestern harte Worte. Der Kulturamtsleiter hat nicht durch die Gegend gevögelt, sondern unterliegt einem Suchtszenario, das sich Kontaktsucht nennt. Er wäre quasi der Idealpatient in einer Suchtklinik, die sich solcher materieller und immateriellerSüchte annimmt. Diese Seufzerspitäler schießen wie psychosomatische Kliniken aus dem feuchten Herbstboden. Bislang war das Allgäu eine bevorzugte Location, mittlerweile kommen auch Areas in preisbewussten Nachbarländern wie Böhmen/Mähren oder Slowenien ins Spiel.



Was geht dort ab? Die Philosophie setzt auf die Verwerfung des normalen Lebens auf. Das normale Leben: „Was geht mich Dein kranker Vater und Dein Psychoscheiß an – hier gehts um Effizienz, es muss sich rechnen und langsam rechnen Sie sich nicht mehr.“ Diese Art von Kommunikation ist nicht immer schön. Jetzt kommt das Konzept von Dr. XYZ ins Spiel: die Kassen bezahlen es wird aus Solidarmitteln eine heile Welt (Schlaraffenland) gebaut, die nicht wirklich Geld kostet und die aber vorerst enorme Erleichterung schafft.



Wie sieht das allgemeinkonkret aus? Der erste Eindruck: das ist hier der von einem großen deutschen Romancier beschriebene Zauberberg. Tatsächlich gibt es auch eine am Speisesaal angeschlossenenTerasse, auf der die Patientinnen und auch die wenigen Patienten unter der Herbstsonne auch ihre gruppendynamischen Gespräche führen: „hast Du gehört, die Irma hat letzte Nacht …“. Das ist aber nur der erste, flüchtige Eindruck. In Wahrheit steckt da wesentlich mehr als die Thomas Mannsche Idylle dahinter. Grundsätzlich gibt es in solchen Refugien sehr viele Regeln, die übersichtshalber in Verboten materialisieren. Stichworte sind: Tabakwaren, alkoholische Getränke Senf, Bücher, Zeitungen, Radio, Handies, Rechner, Zucker, Sex (ausschließlich Masturbation) und lose Reden.

Wie schon erwähnt ist der Speisesaal der zentrale Punkt. Der Blick auf den Bachhof ist schon märchenhaft. Eingebaut in den Speisesaal ist eine Tassenwand, in der jedes Zimmer ein Fach für die Tassen, Teebeutel und Kondensmilchdöschen hat.



Überhaupt Speisesaal: ist das nicht ein wirklich ehrwürdiges Wort? Es ist fast so bieder wie Anstalt. Leider wird letzteres Wort nur noch im Zusammenhang mit entsprechende Rundfunkstudios (O-Tone eines höheren Anstaltsmitarbeiters: „störend ist nur noch, dass wir das Programm gestalten müssen.“) gebraucht. Also in dieser Besserungsanstalt darf viele Wochen lang für den Ernstfall (das reale Leben) geprobt werden. Hier darf und muss über Gefühle gesprochen werden. Alle weiblichen Zöglinge haben ein Kuscheltier am Revert oder halten es praktischerweise gleich in der Hand. Begegnen sich zwei Lebensschülerinnen, dann fallen sie sich gleich in die Arme, lächeln milde und streicheln sich heftig. Kuscheln und streicheln ist erlaubt und sogar gewünscht. Grenzen sind Ausziehen und exklusive Beziehungen. Wenn sich Letzteres anbahnt, wird ein Kontaktfasten verordnet. Überhaupt gibt es immer wieder Fastenopfer. Die eine Dame hat das Schild Männerfasten am Pulli. Was das zu bedeuten hat kann sich jeder selbst ausmalen.

Für Frauen ist das sicherlich ein Paradies, für Männer kann das eine Strafe sein.
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Dienstag, den 29.11.2011 [23:17]
Jena kommt aus den Schlagzeilen nicht heraus: ein (noch) nicht berühmter Sohn der Stadt baut das mobile Extranet für Porsche, ein weiterer Helfer der Braunen Armee-Fraktion kommt aus dem Hausbergviertel in Jena und das Theaterhaus feiert heute den zwanzigsten Geburtstag. Fazit berichtet gerade darüber. Der Mörder des Popgottes wurde heute mit der Höchststrafe belegt, der Osloer Massenmörder geht „straffrei“ aus und Griechenland bekommt die nächste Tranche ausgezahlt. In einigen Jahren weiß niemand mehr, was das alles heißen soll.

Jena und Kultur: da denkt man sofort an den Import aus Kasel, der in den Neunzigern den Kulturamtsleiter gegeben hat. Jeder wusste von seiner Trinksucht und seiner großen Affinität zu Frauen. Man sagt, er vögele quasi alles, was ging. Jedenfalls hat er viel bewegt und ist dann irgendwann an Pankraziakrebs gestorben. Unvergesslich sind die Abende, wenn er die Kulturarena torkelnd und stammelnd würdevoll eröffnet hat.
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Montag, den 28.11.2011 [13:50]
Das war wohl jetzt die längste Schreibpause in diesem Blog. Rechtfertigungen wird es aus verschiedenen Gründen hier nicht geben. Warum auch? Über den Wolken muss nicht nur die Freiheit grenzenlos sein, da sieht man auch wie die Seelen über Deutschland aufsteigen.



Es gibt in Deutschland tatsächlich noch schönere Gegenden als Hamburg. Als Beispiel soll der Allgäu herhalten. Die Anreise führt zwar durch verschärfte Kontrollen seitens der Bahn – aber dennoch fühlt man sich dort wie im Teletubbyland: überall sind kleine grüne Hügel, auf denn die Kühe stehen, die ungefleckt mit graubraunem Farbverlauf daherkommen. Es ist ein Bild, das ich bisher nur von Milchverpackungen kannte. Sie gibt es also tatsächlich: die Idylle.



Autos fahren wie in Zeichentrickfilmen stilistisch übersteigert über die Hügel. Nachts glocken und muhen dieselben und rauben dennoch nicht den Schlaf. Allgäuer sind nicht nur nett – gefunden an einer Sägerei in der Nähe von Genhofen.



Noch ein Unterschied: in Hamburg ist der Blick jeder Frau auf einen fixen Punkt am Horizont fixiert – beim Näherkommen strafft sich der Blick nochmals und eine rasche nach oben geneigte Kopfbewegung deutet Kommunikationsverweigerung an. Dort im Allgäu schaut frau freundlich und sucht Blickkontakt. Dafür gibt es statistisch in Hamburg die größte Psychologen-, Psychotherapeuten- und Lebenshelferdichte von ganz Deutschland.

Wenn wir gerade bei Mülltrennung sind. Auf der deutschen Seite von Strassburg ist eine Parkanlage, die natürlich auch Mülleimer hat. Spannenderweise ist nur Restmüll übersetzt. Die beiden anderen Abfallsorten sind entweder unübersetzbar oder eh für Franzosen bedeutungslos:



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