Rainers Horen
Sonntag, den 08.01.2012 [12:47]
Tatsächlich hat es heute einmal nicht geregnet. Und schon war wieder ganz Hamburg auf den Beinen – die allerdings nass wurden. Strandperle und Ahoi hatten also einen eigenen, fast schon Venedigreiz. Irgendwann kann eine Kellnerin raus und wies uns darauf hin, das 16:00 Uhr Scheitelpunkt der Flut ist und dann der Betrieb eingestellt wird. Alle Pontonzugänge waren waagerecht. Der Tsunami kann kommen …



Ansonsten hält sich der Wahnsinn in Grenzen. So als reine Denksportaufgabe: wie wäre das auf dem iPhone mit einem zweidimensionalen Wischer. Dann könnte man beispielsweise in der IPA-Tabelle wandern. Als fertiges Layoutelement gibt es das leider nicht. In der waagerechten Form nennt es sich ¬scrollableView. Die zweidimensionale Form ist mehr so allgemein und rastet nicht an Seitengrenzen ein. Damit es rastet, braucht man nur das Wischende abzufangen und dann eben einrasten lassen. Mit ein wenig Chuzpe ist das machbar und schon ist die Lösung auch brav der Allgemeinheit zur ¬Verfügung gestellt.

IPA-Tabellen – was war da nochmal? Sprache wird gewöhnlicherweise verschriftet, so wie auch Musik in Noten aufgezeichnet werden kann. Da nun jede Sprachgruppe ihr eigenes Süppchen kocht und deswegen eine andere Rechtschreibung pflegt, kann ein Nichtwissender fremde Texte nicht wirklich lesen. Nun kommt IPA ins Spiel. Das ist eine Abkürzung für „Internationale Phonetik Vereinigung“ und hat sich unter anderem die Schaffung einer einheitlichen Sprechschrift zur Aufgabe gemacht. Das Wort IPA würde dann so wiedergegeben:

Phänomene, die ein Deutscher nicht wahrnimmt (wie hier die Aspiration nach dem P und die Tonkänge) ist hier auch verzeichnet. Bis 2008 gab es in Hamburg ein Phonetisches Institut, deren Chef Professor Ternes war. Obig erwähnte App ist also gewissermaßen eine Hommage, enthält sie doch auch Vorlesungsmitschnitte – also echt etwas für Fans der feinen Wissenschaften.



In Hamburg legen jährlich über 200 Kreuzfahrtschiffe an, die wie Gutmenschen wissen, sehr viel Ruß auspusten. Mehr Ruß als … (und jetzt könnten hier tolle Vergleiche stehen). Die Schiffe liegen im Hafen vor Anker und produzieren ihren Strom, indem einfach der Schiffsdiesel weiterläuft. Da denkt der Grünbewegte: „Warum ist da nur nicht so eine rote Steckdose angeschraubt?“



Dann kommt die Queen Elisabeth in den Hafen, der Oberheini wirft das Kabel rüber und schon werden Tonnen von Ruß nicht in die Luft geblasen. So das Wunschdenken von dem, der vielleicht an seinen Campinganhänger denkt.

Die Welt ist vermutlich komplizierter. Mit Sicherheit gibt es auf solchen Schiffen ein mehrstufiges Versorgungssystem. Das heißt die Stromverbraucher haben eine verschiedene Wichtigkeit und damit auch verschiedene Quellen. Der Betrieb der TV-Geräte in den Kabinen hat eine andere Priorität als die nautische Steuerung. Und Strom ist nicht Strom. Spannung und Frequenz sind noch augenfällig. Dahinter steckt mehr. Es sind die ganzen Dinge, die mit der Elektrosicherheit zusammenhängen. Wir haben in Zentraleuropa überall die gleichen Eisenbahnschienen, dennoch darf die Bahn nicht einfach von Bayerisch Eisenstein nach Böhmisch Eisenstein rüberfahren – das sind nur 100 Meter. Es ist das nichtkompatible Signalsystem zischen DeutschBahn und ?eské dráhy.
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Donnerstag, den 05.01.2012 [21:49]
Das frische Jahr, im Weimarer Kasseturm angeschnitten, hat schon wieder den Alltag einziehen lassen. Der Alltag endete im alten Jahr mit einer Intranet-iPhoneApp für eine Luxuswagenhersteller aus Süddeutschland und beginnt mit einer iPadApp für einen Finanzdienstleister – es hört nimmer auf.



Und deswegen liegen jetzt so viele von diesen Wischplatten hier rum. Wozu diese ganz Elektronik und muss das jetzt? Ein großer und amerikanischer Medienwisenschaftler sagte mal: „Nicht den Stecker ziehen, sondern den Elektroden vors Schienbein treten!“ Und so laufen die 44 Tausend Versicherungsvertreter nicht mehr mit ihrer Bruschüre und den Faltblättern durch unser Land, sondern eben mit meiner App. O-Ton: „Das ist senioreneinfach: einfach das Lebensglück zusammenwischen …“ Ist das nicht großartig?
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