Rainers Horen
Sonntag, den 04.03.2012 [08:53]
Heute lässt sich Putin in seiner gelenkten Demokratie wieder im Amt bestätigen. Auch wenn er formell wieder gewinnen wird, muss er spürbar fälschen und das wird die Russen erzürnen. Auch die sanfte Revolution in Ostdeutschland begann mit der letzten Wahl, bei der ab 19:00 Uhr des Wahlabends jedem klar war, was die DDR noch wert ist.



Gestern beim ALDI geschah etwas Rätselhaftes. Im Wagen des (türkischstämmigen?) Vorkunden lagen sechsundzwanzig Kilogramm Würfelzucker. Das Rätsel bestand in der Überlegung, was man mit dieser Menge an Würfelzucker anstellt. Für gewöhnlichen Zucker gäbe es schon Ideen – so wäre beispielsweise selbstgepanschter Wein denkbar.



Was aber nun mit diesen Würfelchen? Was habe ich verpasst? Ein Gedanke: so eine innovative Werbeagentur baut daraus eine virtuelle Landschaft, die dann vielleicht für eine noch nie dagewesene Handyflatrate oder die Compliance von Inkontinenzhilfsmitteln wirbt. Gegen diese Theorie spricht die die türkische Anmutung. Die Burschen sahen wahrlich nicht wie Creative aus. Übrigens zusätzlich zu den 52 Pfund Zucker haben die noch 12 Flaschen Spülmittel bezahlt.



Putin hat nun erfolgreich seine Rochade vollzogen, nebenbei hat er noch vorher die Amtszeit von vier auf sechs Jahre erhöht. Putin: „Die Wahl war ein Beweis für die Demokratie und die Stärke Russlands. Das war die fairste Wahl in der Geschichte Russlands.“ Die protestierende, gebildete Mittelschicht ist zu dieser Frage ganz anderer Meinung. Wahrscheinlich hat Putin ein kleines Handbuch des 20. Jahrhunderts gelesen und dort steht im Kapitel „Weltanschauung und Politik“, dass man auf bürgerliche Einfaltspinsel keine Rücksicht nehmen muss, man müsse nur die stumpfe Masse überzeugen – und das sei einfach.
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Montag, den 27.02.2012 [14:18]
Es gibt schon nette Spielzeuge. So gibt es bei Google einen Dienst, der das Vorkommen von Wörtern in Büchern analysiert. So erfahren wir, dass großartig zwischen Biedermeier-/Gründerzeit und dann nochmals während des deutschen Wirtschaftswunders reüssierte. Einfach großartig!



Es scheint eine Fundgrube für Geisteswissenschaftler zu sein. Beispielsweise gibt es den Begriff ¬DDR begreiflicherweise erst ab 1949 – allerdings erreicht er das Bewusstsein erst, als es die DDR nicht mehr gab.

Apropos Geisteswissenschaften: vieles hat sich wohl auch erledigt oder einfach nur vereinfacht. Immer wieder müssen sich Promotionsthemen ausgedacht werden. und weil es einfach zuwenig wirklich Neues gibt, wurde in der Vergangenheit oftmals auf Archivthemen zurückgegriffen. Denken wir an „Die Hornsignale im deutsch/französischen Krieg 70/71“ oder die „Ständig wachsende Bedeutung der Besenkammer im bürgerlichen Leben“. Gerade letztes Thema, das enge Bezüge zur Staubforschung aufweist, lässt sich heute auf einer Fährenfahrt zwischen Finkenwerder und Övelgönne gut abbilden. Entsprechende ¬Suchabfrage zeigt schon einmal den zeitlichen Verlauf der Begriffswichtigkeit. Nun kann man noch geschwind gleich mal in den ¬Scans nachschauen und schon liegt alles vor uns. Die Besenkammer ist also quasi das Gegengewicht zur bürgerlichen angestrebten Ordnung und Reinlichkeit, die wie sofort zu sehen, von abnehmender Bedeutung ist:


Noch etwas spannender wird es, wenn zwei Begriffe gegenüber gestellt werden. Nehmen wir „Sünde“ und „Tod“. Wie sofort zu sehen: Sünde führt zum Tode. Die Korrelation ist offensichtlich (besonders während des II. Weltkrieges):

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