Rainers Horen
Donnerstag, den 15.03.2012 [18:37]
Trotz aller miesepetriger Unkenrufe ist heute tatsächlich dieser gelbe Himmelsball erschienen. „Entzückend!“ – das würde Theodoros Kojak dazu sagen. Schon sieht die Welt freundlich aus. Ein wenig ist die Spannung raus. Man guckt auf den Handschmeichler und weiß sofort, ob die Sonne scheint oder eben nicht. Das ist sicherlich zuverlässiger als der analoge Blick aus dem Fenster, der (wie wir wissen) nur den momentanen Zustand im eigenen Kiez reflektiert. Überhaupt: wie haben wir nur alle das Leben vor Facebook/iPhone ausgehalten – wie haben wir das Leben organisiert und bewältigt?
Das geht schon damit los, dass wir überall (wo Netz ist) unseren ¬Lieblingsradiosender aus Frankreich hören können. Wo das nicht geht, da ist es auch nicht lebenswert … Und nicht nur das, jederzeit ist klar, wie der Titel heißt, der Künstler und wo man die CD kaufen kann.

Das mit der Totaltransparenz dieser Welt ist nur ein oberflächliges Merkmal der neuen Zeit. Spannend ist auch das Vielschnattern. Gemäß der Theorie, dass man nur miteinander reden muss und schon wird alles gut, sollte die Welt schon sehr friedlich sein. Immerhin wird (gefühlt) mindestens zehnmal mehr telefoniert.



Eentscheidender ist diese wiederaufkeimende Gier nach Aufmerksamkeit. Sie keimt auf, weil sie messbar ist. Vielleicht kennt noch jemand die seeligen Pagecounter, die auf vielen Webseiten meist unten prangten. Die sahen aus wie Fahrradkilometerzähler und zählten kumulativ wie oft die Grafik aufgerufen wurde. Schon mit einzeiligen Scripten konnte man jede gewünschte Zahl einstellen und damit den „Webmaster“ beglücken oder eben zweifeln lassen.



Nun ist der Quatsch wieder auferstanden und nennt sich Klickmillionär. Es muss schon eine große Sensucht sein. Beachtung und Aufmerksamkeit.
Beitrag kommentieren

Dienstag, den 13.03.2012 [11:32]
Die Verzagtheit muss ein Ende haben. Immer nur (geobasierte) Apps entwickeln macht mit der Zeit auch nur tröge und so ist es geradezu großartig, auch einmal einen Artikel schreiben zu dürfen. wie immer in solchen Zusammenhängen beginnt erst einmal alles mit einer Schreibsperre, die am besten in illustrer Umgebung wie der die der Strandkiosk AHOI zu schaffen vermag.

Womit haben wir uns nur früher ohne diese Handschmeichler die Zeit vertrieben? Gefühlt glotz jeder Zweite auf dem U-Bahn-Bahnsteig in sein „Ding“.
So ein iPhone oder Smartphone ist ein wenig wie ein Kühlschrank, man schaut oft rein um zu sehen, dass sich nichts veränderte hat.
Nun reicht die wunderbare Hardware zur Bespaßung nicht aus – Apps müssen her. Nun kommt sicher der O-Ton-Einwand: „Aber auf dem iPhone ist doch das Internet …“. Klar, um ein Buch ins Kino zu bringen, wird es seitenweise nach vorne projeziert und wenn alle Kinobesucher genickt haben, dann wir vom Filmvorführer umgeblättert.
Mal im Ernst: so ein Smartphone ist schon ein andere Schnack als eine Webseite. Es gibt völlig andere Bedienkonzepte und was noch augenfälliger ist – der Bildschirm ist kleiner. Wie oben schon erwähnt, ist das Internet an Bord. Das heißt ein Webbrowser kann eine verführerische Brücke darstellen. Andere Artikel in diesem Heft zeigen auf, wie man mit einem HTML5-Framework wie jQueryMobil, AppML oder SenchaTouch mit dem optionalen Zusammenspiel mit Phonegap Lösungen bauen kann. Diese Frameworks versuchen sich im Nachbau des Look&Feel einer nativen App mit HTML-Mitteln. Das hat vielleicht die Qualität der Produktion eines Audiobuches mittels eines Sprachsyntheseprogramms. Phonegap setzt noch eines drauf und macht diesem HTML/Javascript/CSS-Klumpen „nativ“, indem es eine generische MiniApp baut, die nur aus einem Webview besteht. Für eine QR-Code getriggerte Landingpage hat das sicher seine Berechtigung. Es kann auch einen erkenntnisstiftenden Lernprozess abbilden.



iPhone und einige Android-basierte Smartphone sehen sich äußerlich sehr ähnlich. Trotzdem läuft eine iPhoneApp nicht auf andere Geräten. Die Unterschiede sind eben auch mehr als die Programmiersprache. Es sind auch die unterschiedlichen Bedienkonzepte und die divergierenden Prozess/View-Konzepte, die den Aufwand für eine Doppelentwicklung mindestes verdoppeln. So bewegen sich mehrere Crossplattformsysteme (Titanium, Corona, Unity) am Markt. Letztere Systeme haben ihre Stärken im Bereich 2D und 3D – insbesondere der Spieleentwicklung, während Titanium seinen Fokus auf die Abbildung von üblichen Geschäftslogiken mittels Standard-GUI-Elemente legt.




Beglückungdkoryphäe
Beitrag kommentieren

Montag, den 12.03.2012 [15:03]
In Hamburg fahren ständig diese Doppelstockbusse durch die Stadt. Mit diesen Bussen fahren die Arbeiter nicht zum Hafen, sondern die Touristen kreuz und quer. Die dürfen dann auch aussteigen und nach Konsum der Stadt auch wieder in einen anderen Bus einsteigen. Bei genauem Hinsehen offenbaren sich mindestens fünf Firmen, die ihtre Busse auf Tour schicken.



Es gibt den klassischen roten Bus, die blauen, die Comic-gelben und auch noch zweifarbige. Und es gibt am Hafen genau diesen obigen Plan, der eine gewisse Tarifgemeinschaft suggeriert. Auf Nachfrage bei allen Anbietern sagen die allfällig unisono: „im Prinzip kann man umsteigen …“ – also wohl eher nicht.

Diesen Hamburger Rundfahrverbund scheint es auch nicht zu geben, immerhin hat er keine Webseite. Das ist wohl beredt genug.

Das Ganze schreit aus der Sicht eines AppEntwicklers nach einer mobilen Unterstützung. Da muss das schreckliche A-Wort her. Ist schon belustigend, was einem so entgegengeschmettert wird: „Wir haben eine Homepage und auf dem iPhone ist das Internet.“ Stimmt. Dann sind auch 3000,- € zuviel für eine App.

Um den beinahe neuen Schaufensterpräsidenten für unsere deutsche Heimat ist es still geworden. Vergessen sind die bemerkenswerten Sätze wie die Albernheit der Occupy-Bewegung. Eim Teil dieser Bewegung von Salonrevolutionären richtet sich gegen das raffende Kapital, das ihrer Meinung nach in die Schranken gewiesen werden muss. Es gibt durchaus Überlegungen, denen man folgen kann. Aber: das Spiel ist nun mal so. Denken wir an das schöne Gesellschaftsspiel Mensch ärger Dich nicht. Bei diesem Brettspiel darf regelmäßig rausgeschmissen werden. Das macht Spaß und verbessert die Siegchancen. Ethisch ist der Rauswurf nicht nett – muss doch das Opfer im schlimmsten Fall wieder dreimal bis zur Sechs würfeln. Wenn nun die europäische Zentralbank die anderen Banken mit unbegrenztem 1%-Kredit versorgt, dann wäre es nett, wenn nun die Banken mit dem billigen Geld hoffnungsvolle Projekte grandioser Querdenker unterstüzten würde. Tun die nicht – die verspielen es.

Die andere Motivation der Occupyer ist das verspielte Lebensglück. Da sind diese (ihrer Meinung nach) sehr gut ausgebildeten jungen Leute, die keinen Job finden. Die haben vielleicht sogar promoviert und trotz ihres Doktortitels dürfen sie nur als Praktikant schnuppern.
Beitrag kommentieren