Rainers Horen
Donnerstag, den 26.07.2012 [15:41]
Aus der Seifenstadt Aleppo ??? werden heftige Kämpfe gemeldet. In Hamburg hat es die letzte Nacht furchtbar gewittert und hat den Samstagsmarkt etwas ins Wasser fallen lassen. Der Ausflug über den Elbradwanderweg ist Geschichte.



Was bleibt ist die Erinnerung an Kötzschenbroda, an einsame Elbgierfähren und an Riesa. Kötzschenbroda: Schwedischer Eisbecher aus ALDI-Vanilleeiskrem und schwitzende (?) Anstreicher auf Gittermast. Ob die wirklich dreimal schneller fertig waren? Gequatscht und gelacht wurde viel. Und wer lacht hat Reserven, so eine alte Arbeitgeberregel.

In Niederlommatzsch lud die ¬Elbklause auf der anderen Elbseite ein. Das ist nicht weiter schlimm, wenn da nicht die ahnungsschwangeren vorgedeckten Tische auf dem Freisitz wären.



Unsere ängstliche Nachfrage bei der jungen Bedienung (Haustöchter ?) nach einer Busladung wurde leider bestätigt. Ein Rentner verwandelte sich vor unseren Augen in einen waschechten, akkordionspielenden Seebären. Dann kam auch tatsächlich der rentnerbeladene Elbdampfer. Wir zahlen und flüstern halblaut zum Fräulein: „Wir gehen.“ Sie: „Nehmt mich mit!



Im Wegfahren aus dem Augenwinkel: da wankt der Seemann dem Schiff entgegen, setzt sich mit seinem Schifferklavier auf die Böschung und stimmt lustige Weisen an – das Unheil nimmt seinen Lauf.

Von dort nach Riesa und zur deutschen Überraschung ist es noch weit. RiesaInfomation in er Fußgängerzone schickt uns (ahnungslos oder vertragsgerecht) zum Kaiserhof. Nette Unterkunft – fürwahr. Beim Betreten das Gastraums wird sofort ein Schluckreflex ausgelöst. Hier ist der gesamte Gotha versammelt und an der Stirnwand das Kaiserliche Paar.



Von der Decke hängen Standarten aus allen deutschen Gauen. Da fehlt natürlich auch Ostpreußen und Sudeten nicht. Auf der Speisekarte steht Hohenzollernplatte und Kaisersteak. Das schwarze Bier nennt sich Reichsbräu.



Einer fehlt in der Galerie: der von Hindenburg. Nun, da frage ich doch gelich mal nach: „Wo bleibt denn nur der Held von Tannenberg?“ Die Antwort kam sofort: „Tja, der Hindenburg … der ist dem Kaiser in den Rücken gefallen. Wer weiß was Deutschland erspart geblieben wäre ohne diesen Verrat … “. Spätestens jetzt verstummt das Gespräch. Die Kneipe blieb auch für diesen Abend leer. Wegen uns? Nächsten Morgen erzählte uns die treusorgende Mutter des deutschen Helden und Verfechters der bekrönten Demokratie, dass der Kaiserhog früher ein sehr gut gehendes Restaurant war aber heute durch die Konkurrenz …

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Montag, den 23.07.2012 [21:21]
Gibt's es doch – das morphogenetische Feld? Neben dem Geburtshaus von Erich Kästner in der Dresdner Neustadt blickt mich dieses Firmenschild von Mindworx an:



Hm. kommt mir bekannt vor. In der Hamburger Jarrestadt gibt eine Webfirma mit dem Namen Mindworks. Das mit dem Namen ist nicht weiter verwunderlich – aber es ist schon fast mystisch, dass beide Firmen das gleiche Grün und fast die gleiche Schriftart verwenden.

Apropos Erich Kästner: der ist hier also geboren und hier auch groß geworden. Emil ist im Neustädter Bahnhof auf große Reise gegangen. Der Dumontreiseführer aus dem Falkverlag (MarcoPolo und auch Baedecker) widmet dem Thema „Auf den Spuren von Erich Kästner“ eine Doppelseite. Das wäre eine prima iPhoneApp und so käme das begehbare Hörbuch zu neuen Ehren. Im Kästnerschen Hinterhof reüssiert heute ein kleines Hostel mit dem mexikanisch anmutenden Namen Mezcalero, das man durchaus empfehlen kann. Jedes Zimmer hat ein Thema und ist individuell ausgestaltet. Hätte man mir bei der Buchung das Album mit den Zimmern vorgelegt, wäre es mir wie Buridans Esel ergangen.



Diese Dresdner Neustadt ist so etwas wie die Schanze – nur größer und ein wenig anders. Durch die Weitläufigkeit und die breiteren Straßenschluchten mit eingebetteten Straßenbahnen erscheint es weltstädtischer. Es fühlt sic mehr wie Brüssel oder Strassburg an.Was auffällt: auch der kleinste Hinterhof wird als Biergarten genutzt. Auf die Idee ist in Schanze oder Karoviertel noch niemand gekommen. Vielleicht doch und es hat an der erhöhten Biestigkeit des Durchschnittshamburgers gescheitert. Der Sachse ist gemütlich und vielleicht deswegen auch nicht so klagewillig.



Radwege gibt es in Dresden nur marginal, trotzdem scheint es mehr Räder als im Hamburg zu geben. Das Jammern im Hamburger ADFC über schlechte, schmale, schmutzige Radwege ist also tatsächlich Jammern auf allerhöchstem Niveau. Hier gibt es gar keine Radwege, alle Leute fahren auf den breiten Fußwegen einfach achtsam mit den Fußgängern. Auf der Straße zu fahren wäre ?????, zumal es überall Straßenbahnschienen gibt, die wirklich Angst machen.

In der böhmischen Straße ist ein wirklich bemerkenswerter Radschrauber. Er firmiert unter Radlager Dresden und ist wohltuend anders als der durchschnittliche Hamburger Schrauber. Schon nach wenigen Minuten ist klar: der Mann hat Ahnung und ist auch tatsächlich bereit, sich es Patienten anzunehmen. Völlig anders in der Stadt an Elbe , Alster und Bille. Da hätte der erstmal keine Zeit und würde behaupten da muss alles neu. Nein, der Spezi sagt: „Einfach runterfahren bis es nicht mehr geht, dann alles neu“. Auch zur Befestigung des Gepäckträgers hat er eine Lösung parat, die nicht die Pletschersche Irritation an der Oberseite/Unterschenkel generiert. Der Einwand, die Bremse sei im Wege, zählt nicht. „Irgendwas geht immer …“ Sind deswegen die Sachsen vielleicht so erfolgreich?
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