Rainers Horen
Sonnabend, den 23.03.2013 [22:25]
Heute vermeldete das Radio den Tod von Reinhard Lakomy. Die meisten kennen ihn als Kinderliedermacher – neben Gerhard Schöne die DDR-Variante von Rolf Zuckowsky. Mir selber ist er als Vorreiter der elektronischen Musik entgegengetreten.



Anfang der Achtziger war er oft in unserem Diplomandenraum an der TU Ilmenau. Da saß er mit seinen langen Haaren und der kleinen Nickelbrille staunend vor dem ¬Microcombi, em wir eine Tastatur verpasst hatten. Anfangs hatten wir nur eine echte Klaviertastatur, der wir mit Microtastern den Anschlag abnahmen. Dann kam eine Tastatur aus Klingenthal. Da bestand jetzt nur die Herausforderung die 61 Tasten der 16-Bit-breiten Z80-PIO beizubringen. Lacky konnte also spielen und (was revolutionär war) und das Spiel wurde aufgezeichnet. Im Speicher standen also nur Zahlenkolonnen, wobei ein Teil des Bytes für die Tonhöhe und der kleinere Teil für die Tonlänge zuständig war. Dr.-Ing. Gotthard Berger, damals Assistent, las sich einmal den RAM durch, summte in Gedanken mit und entdeckte einen Spielfehler: „hier muss ein 'F' hin“ und korrigierte es gleich im RAM-Editor.

Später hatten wir eine richtige Elektronikorgel, deren Gehäuse und Klaviatur wir für unsere Entwicklung benutzt haben. Das war natürlich nur ein Laboraufbau und die ganzen Leiterkarten lagen lose im Gehäuse. Die Karten waren mit blaugrauen Hosenträgerkabel verbunden. Jedenfalls war im Sommer ein Symposium und dieser DDR-Syntesizer sollte einem staunenden wissenschaftlichen Publikum vorgeführt werden. Irgendwelche Blaumänner haben das Ding also angehuckt und von unserem Fachbereich in den Hörsaal getragen. Was mit den losen Leiterplatten dabei passiert, war zu ahnen und befürchten.

Der Hauptentwickler Bienchen (auch ein Reinhard) schaltete den Syntesizer zaghaft im Hörsaal ein und es kam ein Gekreisch aus der Kiste. Blässe machte sich bei ihm breit. Jetzt kam der Bereichsleiter und spätere Rektor der Uni rein – noch frohhlockte er. Bienchen trat an ihn heran und flüsterte etwas ins Ohr. Nun wurde auch Dr. Gens blass.

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Freitag, den 22.03.2013 [20:02]
Es ist immer wieder schön, wenn sich Vorurteile bestätigen. Wie sagt so schön der Schwabe: „ Was nix koscht, taugt auch nix“. Nun mal von Anfang an. Eine nahestehende Person möchte ein Smartphone, es soll echt 'n geiler Scheiß sein, mit allen Fietschers und auch noch das billgste Teil am Markt. Wer bisher mitgelesen hat, weiß das einen Konflikt birgt. Gut, die Wahl ist auf ein Teil von LG gefallen und heute kam es an. Ausgepackt ist es schnell, Akku rein, ran an die Ladestation. Nach geraumer Zeit kommt eine neue, bisher noch nie gehörte Begrüßungsfanfare. Klingt sprichtwörtich gut. Nun kommt WiFi dran. Aha, hier ist mein Wohnungsnetz, was schon seit Jahren seine Dienste verrichtet und eine Handvoll Geräte mit Netz versorgt. Alle Striche der Muschel sind schwarz. Klar, stehe ja auch direkt neben der Zauberkiste. Das Passwort ist eingetippt und schon … nein, unerwarteterweise sackt jetzt die Feldstärekanzeige ab und das Dings versucht wiederum die Authentifikation usw.

Ich will es abkürzen: das LG hat im Auslieferungszustand Probleme mit dem DHCP. Gut, solche Geräte können natürlich nicht bis zu Ende programmiert sein. Aber was ist den das für ein Mist! kann da nicht eine Fehlermeldung kommen, dass der Router keine IP-Nummer rausrückt? Dann wäre es klar und man würde vielleicht drauf kommen eine feste IP einzutragen. Das gleiche Problem gab es schon vor Jahren mit dem Windows-Betriebssystem, das kam auch immer ins Schlingern, wenn es DHCP nutzen sollte.

Auch schön: startet man das Internetanguckprogramm, dann erscheint (was wohl bei einem Google-Betriebsystem) die GoogleSeite. Komisch – eine Adresszeile zur Direkteingabe finde ich nicht. Seiten, die nicht im GoogleIndex stehen – keine Chance. es sei denn, man erkennt die oberste, wie eine Statuszeile anmutende Leiste als Eingabefeld.

Das mitgelieferte FM-Radio kann keine automatische Stationsanzeige und ist auch wesentlich unempfindlicher als beispielsweise das HTC-Desire. DeutschlandradioKultur kommt nicht rein.
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Donnerstag, den 21.03.2013 [18:45]
Nun geht die 12. Kalenderwoche ihrem wohlverdientem Ende zu. Noch ist das große monetäre Kehraus gekommen. Die Hysterie nimmt trotz oder gerade wegen der Beschwichtigung zu. Gestern hat der Deutschlandfunk ein neues Mem in die Welt gesetzt. Es ging um die Goldreserven unserer glorreichen Regierung. Die liegen nämlich überwiegend in Fort Knox, also in den USA. Wir Deutsche müssen in diesem Zusammenhang glauben, dass dort unser Gld liegt. Gesehen hat das noch niemand. es gibt wohl eine flüchtige Videoaufnahme auf gelbglänzende Barren. Vielleicht ist Fort Knox deswegen so sicher, weil niemand gewisse Wahrheiten erfahren darf. Eine Kontrolle der Echtheit des Goldes ist aus Sicherheitsgründen nicht gestattet.

Auf der anderen Seite: was passiert, wenn unsere Regierung ein Drittel der Konten abknappst – um sich selber zu retten? Damit wäre plötzlich mehr Geld auf dem Markt und der Wert genau dieses Geldes würde sinken. Auch ohne Makroökonom zu sein sollte klar sein, das eingefangene Geld würde nicht im Sinne der Bildung/Infarstruktur/Sicherheit ausgegeben. Die Gefahr besteht nicht. Das Geld würde zur Rettung der Arbeitsplätze in der Bankindustrie ausgegeben. Dieser Gedanke ist genau einmal in den Tagesnachrichten in Zusammenhang mit dem zypriotischen Dilemma verbreitet worden.



Obiges Bild: das ist der Screenshot, den ich vor einigen Minuten in einem angesagten Wohnviertel in Hamburg (nicht auf der zweitweltgrößten Flußinsel) geschossen haben. Die WiFi-Netze scrollen nach unten noch munter weiter. Es darf geraten werden. Ein Netz verrät es. Wo zum Teufel ist nur Großkneten?

Vorgestern gab es wieder einmal eine erbauliche Session im ChaosComputerClub. Der CCC war allerdings nur Hoster. Der Abend war von der Meetupgruppe organisiert, die sich mit dem Kampf um Millisekunden beschäftigt. Der Club nennt sich WebperformanceHamburg. Am Mittwoch war nun ein Backendler von der SoundCloud bei uns er berichtete, mit welchen Maßnahmen die Auslieferungszeit drastisch verkürzt wurde.



Erfrischend war ein neuer Gedanke. Schon die als recht hoch angesehene Lichtgeschwindigkeit ist ein retardierendes Moment. Einmal um den Globus braucht Licht ca. 130 ms. Und das Internet nimmt nicht nur Luftlinien … Diese SoundCloud ist Widgetanbieter, der es erlaubt auf einer dritten Webseite auf einer Teilfläche Musik abzuspielen. Da ist dann links das Coverbild und rechtsoben so eine Zappelgrafik.

So sieht es aus, wenn der Schnipsel befehlsgemäß eingebaut ist:



Offenbar gibt es nicht immer ein Coverbild ;-)) Überhaupt ist der Sinn des Portals, dass Künstler ihre Produkte dort hochlasden, alle Rechte abtreten und das Netz dann als virales Marketinginstrument genutzt wird. Auf eine magische Weise werden dann neben den Servern in Amsterdamm auch die über 100 Angestellten in Berlin, Shanghai, San Francisco und Chikago bezahlt. Die nächste sich aufdrängende Frage ist die Schuldfrage, wenn jemand Material hochlädt, dessen Lizenzmodell genau das nicht zulässt. Allgemein Verdächtige sind: der Hochlader, das Portal, der Sharer oder der Endkunde, an dessen Ohr die Musik dann dringt.

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Montag, den 18.03.2013 [10:15]
„Im Märzen der Bauer die Rößlein einspannt.“ Von Pferdeschlitten spricht der Volksmund nicht.



Neue Techniken werfen auch immer neue Fragen auf. Oder aus Fragestellungen entstehen neue Techniken. Eine Angehöriger des auswerwählten Volkes darf zum Wochenende nicht arbeiten und schon gar nicht kein Feuer anzünden. Zum Zündeln gehört auch das Schließen eines Stromkreises. So wurde in Israel die Zeitschaltuhr erfunden. Sie ermöglicht das Einschalten des heimischen Herdes ohne menschliches (=jüdisches) Zutun. Auf der anderer Seite sind transponderbasierende Türschlüsser nicht koscher, sie sind treifen. Die Frage halal beziehungsweise aram stellt sich für Muslime nicht, da Feuersachen anders geregelt sind.

Der Transponder arbeitet noch mit klassicher Elektronik: da ist eine Batterie, Elektronik und eine Spule drin. Drückt der Besitzer in der Nähe des Schlosses auf den Transponderknopf, dann wird ein Stromkreis geschlossen (Achtung: das ist nicht koscher), ein Hochfrequenzfeld baut sich auf und das Schloss öffnet sich hoffentlich. Wenn nun der klassischen Transponder nicht gestattet sind, wie sieht es mit dem Einsatz von RFID- bzw. NFC-Schlüsseln aus? Nach außen sichtbar funktionieren die wie ein Annäherungsschalter. Der Chip braucht nur in die Schlossnähe zu kommen – schon öffnet sich die Tür.



Der Zugangsberechtigte schließt also keinen Stromkreis, entzündet damit kein Feuer. Auf der anderen Seite schließt sich durch die Annäherung dann doch ein Stromkreis. Auch eine Zeitschaltuhr schließt selbständig einen Stromkreis. Allerdings eben fast von alleine. Die Zeitschaltuhr wurde außerhalb von Schabat programmiert. Es gibt also Argumente dafür und dagegen. Letztlich muss das Problem vom obersten Rabbinat entschieden werden.
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