Rainers Horen
Sonnabend, den 27.04.2013 [22:47]
Die letzten Tage ging es um die von Adobe angebotene großartige Möglichkeit, ohne schweißtreibende Programmierung professionelle und überraschungverbreitende Apps für das iPad ausliefern zu können. Im ersten Teil ging es um den technologischen Ablauf der kinderleichten Produktion und um Kostenmodelle. Zur Erinnerung: für den Enterprisebereich kostet das mehrere Kiloeuro.

Spannend ist natürlich auch, was der Flasherfinder Adobe unter professionell versteht. Mit Indesign™ werden Printprodukte erstellt. Diese Philosophie bildet auch die Grundlage für die iPadApps. Der Aufbau ist also rein seitenorientiert. Der mobile Geschmack kommt durch zusätzliche Layer. Das sind freigehaltene Bereiche auf dem Blatt, auf dem dann so Dinge wie Slideshows, Videos, Panobilder und Zoombilder laufen. Mehr ist nicht. Die ganzen Vorteile der mobilen Geräte werden also nicht genutzt: kein Zugriff auf interne Funktionen und keine sozialen Funktionen,die nicht Selbstzweck sind, sondern viral den Nutzer zum Werbeträger machen.

Diese iPadApps sind also aus der Sicht der Kommunikation eigentlich nur schlichte Webseiten, also eine Folge von animierten Dokumenten. Selbst interaktive Grafiken sind nicht vorgesehen. Diese Art von Apps werden allfällig von Apple in der Revision abgelehnt. Der Standardspruch ist dann zu banal und versuchen Sie sich mit WebApps. Es ist also kein Wunder, wenn in den FAQ von Adobe zu lesen ist, dass eine Ablehnung von Apple noch nicht das letzte Wort ist und Adobe dafür nicht verantwortlich ist.
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Freitag, den 26.04.2013 [12:50]
Der Teufel soll im Detail stecken. Und es durchaus nicht nur ein Spruch. Im Busradar wird die Endhaltestelle angezeigt. In der gestrigen Ausgabe ist ein Screenshot. Der Bus der Linie 1 fährt nach Dänemark, und zwar nach Kruså. Man beachte den kleinen Ring über dem 'a'. Damit es auch klappt, muss der Truetype dieses Zeichen enthalten. Hier unten ist der komplette Satz aufgelistet.



Das Zeichen ist also im Bestand, leider wirds auf dem Telefon nicht angezeigt. Selbstverständlich wird å zum Schirm geschickt. Bin echt gespannt, was ¬das Titanium-Q&A antwortet.

Gestern war wieder wie jeden Monat das großartige Treffen der Kämpfer um die Millisekunden im Web. Schon weil es unser erstes Jubiläum war (das 10.), war die Location sorgsam ausgesucht und gewählt. So saßen wir – gut essensmäßig versorgt – bei Cassini, einem Beratungsunternehmen direkt an den Landungsbrücken.




Wen nun die technischen Dinge nicht die Bohne interessieren, dem sei ein kleiner Extrakt gegeben. Telefónica – in DACH-Land unter Ozwei bekannt – betreibt Webportal. Ziel diese Portale ist hauptsächlich die Generierung von Abschlüssen. Vor einiger Zeit kam die Vermutung auf, dass die Schnelligkeit der Seitenauslieferung die Abschlusswilligkeit beeinflusst. So wurde eine Arbeitsgruppe gegründet, die sich dieses Themas annimmt. Zusätzlich zu den üblichen Messungen der Antwortzeiten der Serverfarm wurde RUM implementiert. Das ist ein Verfahren bei dem das tatsächliche Zeitverhalten auf den Internetanguckprogrammen beim Kunden auf dem flachen land und anderswo einmisst. Thema des Abends war die Auswertung, wie geht das und was kam raus.

Eines hat sich ganz klar rausgestellt. Je langsamer die Seitenauslieferung, um so weniger Abschlüsse sind zu verzeichnen. Wenn also die Redaktion fette Bilder einbinden, sinken die Umsätze. Was aber auch zu erwarten war und sich bestätigte: je schneller die Seiten beim Endnutzer sind, umso mehr Seiten werden vom gleichen Nutzer besucht. Vermutlich gibt es eine begrenzte Geduld der Menschen.
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Donnerstag, den 25.04.2013 [11:41]
Die lustige BusRadarApp läuft nun nicht nur auf dem iPad sondern auch auf dem iPhone und fährt gerade wieder von Dänemark zur Innenstadt von Flensburg.

In der nächsten Version (Wochenende?) wird alles noch viel schöner. Dann werden sich die Schilder der nächsten Busstopps dynamisch an die Entfernung bis dahin anpassen. Das betrifft Abstand nach unten, links, Größe und Sichtbarkeit. Die Berechnung der Entfernungen ist noch eine überschaubare Aufgabe. Spannend wird die Berechnung der gestalterischen Paramter. Damit hat sich weiland schon der Leonardo beschäftigt. Sein Thema war die Perspektive.

Das mit dem Erstellen von professionellen Dingen ohne Programmierkenntnisse ist schon eine feine Sache. Es klingt verführerisch: man braucht sich nicht mit den nerdigen Codern vor ihren grünschwarzen Schells abzugeben. Und es wird oft geglaubt. Durch die Komplexität der Welt bedingt ist die es fast nicht mehr möglich, solchen Versprechungen Einhalt zu gebieten. Hätte ein seriösen Pferdehändler damals gesagt: Ihr braucht kein Pferd, denkt nur an die Aufwände – gebt mir Geld und Ihr könnt auch ohne Pferd reiten – dann wäre das vermutlich auf Unglaube gestoßen. Nun ist heute alles anders. Mit den richtigen Wunderwerkzeugen ausgestattet, ist alles ein Kinder/Senioren-Spiel. So agitpropt das auch Adobe.

Wer also diese supergeilen und interaktiven iMagazine verteilen möchte, der macht das entweder professionell (nachhaltig und arbeitsteilig) oder er nutzt die Digital Publishing Suite. Dann können die erfahrenen Indesigner und/oder Flasher aus ihren Erfahrungen schöpfen. Das Indesign ist das Werkzeug für die DTP-Abteilung. Damit werden die ganzen Layouts der Zeitschriften, Flugplätter, Plakate zusammengeschossen. Das Flash baut die geilen Animationen. Will man digitale Magazine, dann werden die beiden Welten kurzer Hand verheiratet. Dazu braucht man ein Programm von Adobe, es nennt sich Digital Publishing Suite und kostet (wenn man nicht in der Adobe Creative Cloud™ ist) ungefähr 360 €. Die Creative Suite braucht man sowieso. Im Ergebnis dieser Bemühungen hat man nun diese FOLIOs auf der Festplatte, die enthalten dann alles, was das Herz begehrt. Zum Testen kann man nun diese *.issue per iTunes aufs iPad übertragen. Nun ist das ein proprietäres Dateiformat und man braucht noch ein spezielles FOLIO-Anguckprogramm, das unter dem Namen Content Viewer im AppStore auf die kostenlose Abholung wartet.

Würde der Verlag alle eMail-Adressen seiner Abonnenten kennen, dann köntte er die Hochglanzmagazine (Retina!) einfach verschicken. Der Leser zieht es dann rüber – und alles ist gut. Die Leserblattbindung würde sich einstellen und festigen. Leider geht das auch nicht mit einer eigenen, kleinen VerteilApp, die nach neuen Ausgaben im Netz schaut und die neue Datei der ContentViewerApp unterschiebt. Die Dokumentenverzeichnisse sind für andere Apps tabu, auch wenn diese Verzeichnisse über iTunes freigegeben sind.

Der Sinn von Zeitschriften: Volksaufklärung und Völkerverstzändigung – nein (das war ein kleiner Scherz) es geht um Monetarisierung menschlichen Bemühens. Im Idealfall landen die neuen Ausgaben automatisch in seinem kitschigen hözernen Regal auf dem iPad. Also geht das nicht mit der Billiglösung. Eine echte App muss her. Auch dafür hat Adobe eine Lösung parat. ;-)) Man glaubt es fast nicht – die ist auch kostenlos. Das kleine Apple-Programm heißt ¬DPS App Builder. Es nutzt das auf dem Apple hoffentlich vorhandene SDK, baut eine App, schiebt dort den FOLIO-Interpreter rein (oder kompiliert zu ObjectivC ?), packt das Kundenprojekt dazu und Simsalabim, die App ist fertig. Natürlich nur, wenn das Apple-Entwicklerzertifikat vorliegt. Jetzt kommt es: weitere Kosten entstehen. Damit der DPS App Builder arbeitet braucht er Lizenzinformationen. Wer bei der CreativeCloud® mitspielt, hat solch einen Key, ansonsten kostet es pro App nochmals den Preis der Digital Publishing Suite. Und noch ein kleiner Bittertropfen: um eigentlich selbstverständliche Funktionen wie Nutzertracking zu nutzen oder Individualisierung der App zu betreiben, kostet es wirklich Geld. „Rufen Sie unseren Vertrieb an“ ;-))

Die Restfrage, die bleibt: ist man nicht in der AdobeCloud und hat deswegen die Digital Publishing Suite einmalig gekauft – wo endet die Leistung des Builders? Falls die Sperre im Hochladen zum Appstore steht, dann könnte man das Magazin zumindest an bis zu 100 Betatester versenden oder über die Businesslizenz Inhouse verbreiten.

Und kommt es dicke: eine Pizzabackmaschine mit ihren ganzen Einstellmöglichkeiten ersetzt keine Profiküche mit Vollblutkoch. Was will ich damit sagen? Diese nun wirklich teure MagazinApp kann nur das machen, was sich die Adobehirne gedacht haben – eine eigene Logik? Pustekuchen! Nur um einige Beispiele zu nennen: Einbindung von sozialen Kompenenten wie Leserkommentare, QR-Code einlesen, Geovertaggung, Sharing in Facebook und Twitter und überhaupt Funktionen, die andere Datenquellen mit einbeziehen. Möglicherweise läuft das über die Flasheinbettung. Auf jeden Fall endet die Professionalität mit der Ausschöpfung aller von Adobe vorgedachten Möglichkeiten.
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Montag, den 22.04.2013 [21:26]
Kunde droht mit Auftrag – so wird das zuweilen halb scherzhaft kolportiert. Diese Sentenz ist selbstverständlich irreführend. Gerade Kundenkontakte öffnen neue Tore und erweitern den Horizont. Heute möchte jemand hochwertigem Inhalte (Texte, Filme usw.) aufs iPad bringen. Und er möchte das nicht als wirkliche iPadApp haben, auch nicht als Webseite. Es gibt tatsächlich einen dritten Weg.

Adobe als Erfinder von Flash und dem Zeitschriftenmalprogramm Indesign ist seit Januar 2010 etwas in Schwierigkeiten geraten. Es ist nämlich so, dass auf den AppleGeräten dieses Flash nicht angezeigt werden kann. Millionen von Flashern drohten arbeitslos zu werden. Ok, das stört Adobe nicht wirklich, aber Not ist angesagt. Der erste Notausgang ist das hochgelobte HTML5 und (wen wundert's) – diese Technik wird von Adobe stark gefördert. Phonegap gehört jetzt diesem Konzern und heißt seitdem Cordova. So richtig scheint aber Adobe nicht dran zu glauben, warum gibt es den nativeren Weg über die DigitalPublishingSuite und was ist das eigentlich?

Man nehme das Indesign für das Layout und seine Steuerung, vermixe es mit dem Flash. Das macht dann die geilen Animationen und Interaktionen. Jetzt muss das noch aufs iPad. Als billigste Lösung wird der sogenannte Content Viewer im Appstore angeboten. Damit können die Resultate mit der Endung .issue mobil angezeigt werden. Es gibt aber auch die Bauchpinsellösung: Adobe bietet auch eine Laufzeitumgebung für iOS und Android an. Das läuft dann zumindest in dieser Hinsicht ganz ähnlich wie in der Titanium-Welt. Nur das der Javascript-Interpreter schon an Bord ist. Der proprietäre IssueInterpreter kommt in jede App.
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