Rainers Horen
Sonntag, den 17.11.2013 [17:41]
Volkstrauertag

Kognitive Verzerrung – wer kennt das nicht? Nun das ist eine schöne bildungsbürgerliche Begrifflichkeit, die runtergebrochen etwa Das geht gar nicht! oder Gehts noch? gleichgestellt werden könnte.



¬Judith Andresen hat sich nun diese fetzige und oben eingehängte Session ausgedacht. Es lohnt sich auf jeden Fall durchzublättern. In der Mitte wird so eine „pseudowisenschaftliche“ Methode (ihre eigenen Worte) zur Kategorisierung von Menschentypen genutzt. Und sie ist dennoch stimmig. So wie beschrieben ticken die Menschen und handeln auch so. Es ist erkannt und eigentlich klar und dennoch passiert es täglich. Menschen haben ihre Partikularinteressen und handeln vor allem gemütsgetrieben. Ganze Berufsgruppen leben davon.
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Sonnabend, den 16.11.2013 [16:20]
Barcamp in Hamburg: die Sessionplanungsrunde ist beendet. Was auffällig ist: es gibt kein technisches Thema. Am weitesten entfernt vom Nerden ist beispielsweise „Richtig Atmen“ oder „Wie kann ich mein Hund besser verstehen? Er bellt beisst in den Tisch und so weiter“. Zwischenruf aus dem Publikum: „Es geht hier um Hunde, nicht um Kunden!“

Erste Session: wie kann OTTO besser Leute rekrutieren. Eine Personalerin braucht offenbar Impulse für ihre Arbeit. Das ist natürlich perfekt den „Gegner“ mal direkt zu befragen, wo ihm der Schuh drückt.

Nun sind wir bei dem Thema Lebensmodelle angegelangt. Klar, die meisten wählen zwischen Sicherheit und wenig Geld oder viel Geld kurzfristig. In der heutigen Projektwelt stellt sich kein beruhigendens Gefühl ein. Tipp: nimm nur Jobs an, wo Du auf Augenhöhe zusammenarbeitest. Guter Tipp. Leider selten realierbar, da der schmerzliche Einkauf von freien Kräften ja genau dann passiert, wenn die Augenhöhe fehlt.

Nächste Session: DesignThinking. Das kommt von der Stanford Uiversität und geht von der Problemstellung aus, dass in grossen Organisationen der Einzelne zu folgenden drei Fragen wenig Bezug hat: Was will der Auftrageber? Ist das machbar, Wie rechnet sich das?. Diese Frage sind aus unterschiedlichen Gründen als kleines Rädchen schwierig oder kaum zu beantworten. Das wusste schon Marx im Manifest. Er nennt es Entfremdung. Filz und Fett moderner Organisationen tuen ihr Übriges.

Lösung: mit Papier und Schere Brainstorming veranstalten. Übung: male eine ideale Geldbörse auf. Und rede dann mit Deinem Nachbarn drüber.

Dann war noch eine Siuzidsession („Was geht und was geht nicht“) und nun das Thema RZB (Romantische Zweierbeziehung). Das Zielthema ist Polyamorie. Bis jetzt jetzt es nur Polygamie, das heisst 1:m, Polyamorie ist gewissermassen n:m. Unwissentliche Polygamie – auch oft genommen.

Gründe für das Verlassen der RZB: ich beschränke mich, damit Du Dich auch beschränkst. Wenn schon das F-Wort, dann doch nur für mich, nicht für den Anderen. Was ist eine Beziehung? “Man hat eine Beziehung, wenn man eine Tweet geliket hat.“.

Und nun noch die autoerotischen Unfälle.was hat nur mit IT zu tun! Scheint den Menschen ein Bedürfnis zu sein – zumindest musste aus Raumgründen ein Vortrag zur NSA-Bedrohung weichen. Eine Ärztin plaudert aus dem Nähkästchen. Ist also ähnlich dem Suizidvortrag (Dinge besser machen). Penisstrangulation durch Ehering, Flasche, Dichtungsring, Cockring. Die Bilder sind nicht schön, geradezu schockierend. Oft muss das Ding dann ab, weil es dann schwarz wird. Nun kommt das Einführen von Dingen in die Harnröhre, Magnetkugeln, Kabel, Maden, Tannenzweig und Gabeln. „Alte Leute zu den Feiertagen“. Der Satz steht im Raum.
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Freitag, den 15.11.2013 [17:27]
Heute und gestern: CampusInnovation in Hamburg. Das ist eine Konferenz, die eine geringe Medienpräsenz generiert. Deswegen einige Worte dazu.

Bei dieser Konferenz von Didakten und Pädagogen geht es im Innovationen im öffentlichen Bildungsprozess – also in der universitären Bildung. Das Selbstbild wird von den Begriffen des Vordenkers und des Querdenkers geprägt. So ganz zu glauben ist das nicht. Wenn man Bildung mit der Erlangung von Wissen und Fähigkeiten gleichsetzt, dann läuft das in der Praxis etwa so: Irgendein Projektmanager hat einen Auftrag geangelt und hat zugesagt: „Klar können wir das.“ Und nun gibt es einen Termin. Der Umsetzer muss nun so schnell wie möglich sich auf Flughöhe bringen. Es gelten jetzt darwinistische Gesetze. Er wird wahrscheinlich ins Netz gehen oder auch ein Buch besorgen oder sich Videos reinziehen. Die effektivste Lernform stellt sich ohne akademische Überlegung ein.

Nun muss die Uni aktiv werden und hat das multimediale, netzgestütztes Lernen als MOOC bezeichnet. Ich erkäre das jetzt nicht. Es ist das fetteste Thema auf dieser Konferenz.

Ich behaupte mal: MOOC = Internet (=youtube?)
Nun kann sich ein universitäres Umfeld das Heft der Handlung nicht nehmen lassen und so werden Erklärvideos gebaut und ein Forum oder Q&A drangehängt – und schwupp ist MOOC geboren. Natürlich kann man vor das Buzzword noch einen Buchstaben hängen. Da fällt mir sofort 'x' ein – das ist immer spannend oder eben auch 'm'. Auch 'i' ist keck. Es ist der eigenen Phantasie überlassen.

Fazit: Innovation braucht einen Antrieb. Es scheint so, dass Angst vor Verlust letztlich am besten die Prokrastinierung vermeidet. Uni ist nicht gerade angstbesetzt. Es ist ein Freiraum, in dem die Teilnehmer von weicheren Motiven geleitet werden.

Trotzdem nett: zuweilen fallen witzige Worte wie gerade Kompetenzkorsett des Studierenden.

Das Beste zum Schluss: der eLearning-Guru Prof. Dr. Rolf Schulmeister hielt eine Keynote, die sein neues Buch in verdichteter Form vorwegnahm. Thematisch ging es verk0rzt dargestellt um die Einflussfaktoren auf dem Studienerfolg. Als Paukenschlag gab die statistische Aussage, dass der Studienerfolg auch vom Eintrittsalter abhängt. Die Abnahme war im Bereich 18-22 Jahre dargestellt. Wenn das stimmt, dann lohnt es mit 23 Jahren nicht mehr mit dem Studium anzufangen.

Schulmeister hat eine Metastudie verfasst, die auf 300 solcher Studien aufsetzt. Die Hälfte der untersuchten Studien konnte er nicht einbeziehen, weil die statistischen Daten üblichen Qualitätsstandards nicht standhalten. Das Verwunderliche ist das Fazit. Studienerfolg korreliert nicht mit den üblichen Verdächtigen wie Gender, Herkunft, Nebenarbeiten oder gar dem Workpay (Fleiss). Studienleistungen korrelieren tatsächlichen mit diesen alten preussischen Tugenden wie Beharrlichkeit (persistente Zielvervolgung) und Ablenkungsneigung. Und Facebooker schneiden deutlich schlechter ein Studium ab. Was ist schon ein Abschluss – sichert nicht die 4 volles Gehalt?
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Dienstag, den 12.11.2013 [22:20]
Es gibt einprägsame Dinge. Dazu gehört die ¬Session von Johannes Mainusch auf der DevCon. Johannes ist derzeit IT-Manager bei OTTO und hat dadurch engen Kontakt zu sogenannten NERDs und da ihn das Phänomen offenbar beschäftigt, hat er obige Session gebaut.

Also er als Manager sieht sich so – eben als Erfolgsgarant, der das Raumschiff kommandiert:



Nun geht das leider nicht ganz alleine, er braucht Nerds. Klischeehaft sehen die dann so aus:



Einem Mythos nach (Wikipedia) ist NERD eine Abkürzung für eine Abteilung und wenn man ein Problem hatte, dann sagte derjenige so etwas wie: Frag'den Nerd.




Ein Nerd löst also Probleme. Damit der Nerd Einsen und Nullen ausspuckt, muss er mit Geld gefüttert werden. Daraus entsteht eine einfache Wertekette.



So simple ist es natürlich nicht, denn zwischen Nerd und Kunde stehen weitere Nutznießer. Das sind dann Produkt- und Projektmanager auf beiden Seiten. Wie unschwer zu erkennen ist, werden die Dollarzeichen weniger, allerdings auch die 1001110.



So eine IT-Stunde wird (sagen wir mal) mit 150,– € eingekauft. Der deutsche Nerd bekommt vielleicht 60.– €für seine Arbeit in dunkler Kammer. Wenn er quasi AOL-Abonnent ist, dann geht das viele Jahre gut. (Nur keine Rechnungen an die AOLer schicken, sonst werden sie aufgeschreckt). Noch besser: man lässt in Indien schaffen. Wenn es wirklich teuer wird, dann kostet das fünf Euro pro Stunde.




Mit dem Verfahren lassen sich dann all die anderen Leute in Hamburg bezahlen. Und mittlerweile gibt es viele Rollen in diesem Spiel. Wer in der Branche ist, weiss was ich meine.
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