Rainers Horen
Dienstag, den 30.09.2014 [14:30]
Sind Jounalisten nicht Kurzweiltransporteure? Heute früh kam dieser Gedanke. Jemand berichetet von dieser Ebolasache und die Daheimgebliebe Redakteurin sagte trocken: „Da wirds Ihnen wohlnicht langweilig.“

Ganze (beziehungsweise halbe) Königreich wurden ausgelobt, wenn es jemandem gelänge, dem Herrscher Kurzweil zu bereiten. Daraus ist wies es scheint eine ganze Industrie erwachsen. Irgendwo auf der Welt geschieht Kurzweiliges (Seuchen, Enthauptungen, Amokläufe) und schwuppdiewupp wird der „Spaß“ in die heimische, langweilige Stube gebeamt. Das Vorkommnis mit diesem Ebola transportiert noch mehr als diesen vordergründigen Stimmungsaufheller. Es ist diese Erhabenheit gegenüber dieser Menschengruppe, die auch gerne schnackselt, wie so schön eine Blaublütige einem entsetzen Publikum offenbarte. Angeblich kann das in dem schönen Deutschland nicht passieren. In unserer schönen Heimat fährt kein Ebolaopfer tagelang mit dem Bus durch die Lüneburger Heide und die Restfamilie täschelt auch nicht die Leiche. Wer weiss es?

Noch mehr als zwei Stunden bis zum Abflug nach Teneriffa. Der hiesige Flughafen in Bremen hat so etwas. Spontan erinnert er an den Airport in Donezk. Nein, dort war es noch schlichter. Die AN24 landete gefühlt auf einer Grasnarbe und über die Gangway ging es direkt zu Fuß zu einem Tor, hinter dem schon der Bus wartete. Ob da nun wirklich eine kleine Leninstatue auf dem Armaturenbrett des Busfahrers stand – keine Ahnung. Aber der Fahrer erzählte etwas über diese schöne Stadt im Donbass und es viel immer wieder das Wort Schachtjór. Es hat lange gebarucht bis mir dämmerte, das damit offenbar eine Bergarbeiter gemeint war. Das Hotel erinnerte stark an Josefs Roths „Hotel Savoy“ – gewissermaßen an die verblichene Eleganz besserer Zeiten. Auf den Gängen hingen schwere Brokatvorhänge und einmal, als wir später am Abend zurück kamen, da putzte die Dezhurnaya nachts die Fenster. Die hatte einen weißen Kittel an und über den Rücken krochen (bisher noch nie gesehen) Schaben oder was auch immer. Es könnten auch kafkaeske Käfer sein.

Diese Ukrainereise war 1986, kurz nach dem Tschernobylunglück. Eswar auch die Zeit der sowjetischen Prohibition. Tatsächlich gab es im Produkty keinen Wein und so. Exakt um 14:00 Uhr öffneten unscheinbare Pforten, hinten denen in kleinen, dunklen Läden Alkohol verkauft wurde und zwar eine Flasche pro Person. Es gab nur Wein oder Wodka, klar was die Ukrainer kauften.

Es ist wie im Märchen: Deutschland soll in den Krieg ziehen und siehe da – die Waffen sind nicht schussbereit oder gar nicht da oder nur die Futterale. Wer hätte das gedacht? Nun kommt unsere Kriegsministerin auf die Leasing-Idee. Das ist famos. Waffen nur ausborgen. Mal ganz zu Ende gedacht: die ISIS-Truppen sind eine Ursulaerfindung und der Ehemann/Schwippsschwager (der natürlich nicht diesen verräterischen Namen hat) ist Leasinggeber. Oft sind Tatsachen noch schlimmer als die übelsten Phantasien ahnungsloser Bürger. Schade nur für diesen ADS-Typen Владимир Владимирович, der gibt sich allergrößte Mühe, aber keiner schaut hin. Sie oben – das Thema mit der nötigen, aber dennoch nicht allzugroß eingeforderten Kurzweil.
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Montag, den 29.09.2014 [14:01]
Vielleicht liegt es am prächtigen Sommer, jdenfalls gab es eine große Lücke in diesem Blog. Apropos „Blog“: als dieser hier begann, gab es das Wort noch nicht und eigentlich macht es keinen Spass mehr, wenn es Mainstream ist. Und: es gibt kaum noch Aufreger!

Heute ist nun vorerst der letzte Tag in Hamburg und bei schönstem Sommerwetter ist selbst die Schanze schön. Gleich kommt das Rotbarschfilet vom Prtugiesen.Petisco. Morgen früh gehts nach La Gomera. Dennoch gibt es immer wieder Aufreger, nur die Gelassenheit wird größer und es fragt sich, ob das schon deswegen nicht besser zu ignorieren ist. Es menschelt.

Schon oft gehört: händeringend gesucht. Angeblich. Vor einigen Wochen war wieder einmal solch eine Veranstaltung einer HR- (weiland Kader-) Gruppe, auf der wieder mit diesem Buzzword kokettiert wurde. Wenn das wirklich stimmt mit dem Händeringen, dann würde ich als Nachfrager behutsam schweigen und nicht permanent die Preistreiberei in die Welt hinausposaunen.

Mitte des Monats gab es eine spannende JS-Session zum Thema: „wie kommen Inhalte auf die ¬Fernsehbildschirme in Kreuzfahrtkabinen und Hotels“. Mit dieser Software kann der Gast Ausflüge bestellen, Getränke oder Erwachsenenfilme oder was auch immer. Grundlage ist dabei ein sogenannter Smart-TV, das ist ein Fernseher, der einen eingebauten Webbrowser aht. Bei Hansenet war das damals noch eine Zusatzgerät (Topbox), das als Browser diente und dann per Video den Fernseher. Hier beginnen schon die Herausforderungen: es ist die Gerätevielfalt und die sehr eingeschränkte Bedienung. So eine Fernseher hat keine Maus und muss also mit der Fernbedieng gesteuert werden. Da legt so eine AIDA in Singapore an und kauft in so einem Fabrikverkauf 450 Kisten ohne natürlich zu überprüfen, ob die Geräte überhaupt passend sind. Billig siegt! Auch das in vernünftig: billige Hardware und der Aufwand wird nun einmalig vom Umsetzter geleistet, dem man vielleicht noch das Thema Bugfixing einreden kann. Wollen wir mal nicht hoffen …

Nun kommt auch schon der versprochene Aufreger. Gerade letzte Woche rief wieder einaml solch ein Kopfjäger an. Für die Firmen ist das immer die kostspieligste Variante der Kräftebeschaffung.
Jedenfalls geht es genau um das obige Thema ¬Hybrid Broadcast Broadband TV-Applikationen. Diese anspruchsvolle Aufgabe wird in Hamburg von einer IT-Abteilung einer großen, fliegenen Logistikunternehmung betreut. Und die suchen also sofort/Vollzeit. Also offenbar suchen die hochspezialisierte Profis, die sofort und Vollzeit zur Verfügung stehen. Ist dem Leser der Grundwiderspruch offensichtlich? Wer sofort und Vollzeit auf der Matte stehen kann, der muss wohl recht verzweifelt sein – wo doch händeringend gesucht wird. Thomas Theodor Heine hat seinen Roman weiland „Warten auf Wunder“ betitelt. Dr. Johannes Mainusch, der auch schon bei dieser Fliegerfirma, bei diesem Geschäftsleuteportal, bei dem Hamburger Versandamt und nun in Berlin beachäftigt ist, der posulierte während eines Webmontages, dass 20% der IT-Projekte nicht scheitern. Das deckt sich mit meinen Erfahrungen und hängt natürlich davon ab, wie Scheitern zu definieren ist.


Die Welt wird immer komplexer und das trifft insbesondere auf die IT-Welt zu. Es wird wohlkaum jemanden geben, der solche Projekte voll versteht. Der „Chef“ ist also auf Kommunikation angewiesen – und schon treffen wir auf Partikularinteressen und Vermeidung von Selbstbloßstellung. Und so beginnen solche Projekte mit der falschen Architektur, falschen Leuten, falschen Werkzeugen. Irgendwann später ist das geplante Geld alle – aber noch nicht das Softwareprodukt. Jetzt schlägt die Stunde des Freelancers. Er soll nun möglichst (sofort und mit voller Kraft) mit ohne Geld Wunder vollbringen. Tja.
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